[Blogger_innenalphabet] A wie Arbeit/Ausbildung

blogger-aphabet

Hallo, ihr Lieben.

Vor einer Woche ging es los mit dem Blogger_innenalphabet, das die liebe Anne gestartet hat.

Ich fange an mit ein paar Fakten: ich begann meine Ausbildung zur Mediendesignerin 2007 eher zufällig als bewusst, aber zu dem Zeitpunkt war das mein absoluter Traum. Ich erstellte schon mit 11 Websites und Blogs, natürlich mit grauenhaftem HTML und fürchterlichen Designs. In der Ausbildung lernte ich nicht nur zwei wundervolle Menschen kennen, sondern bildete mich auch in wichtigen Bereichen wie Photoshop, HTML, CSS, Typografie, etc. weiter.

Den Anfang machte ich bei einer Maßnahme, die vom Arbeitsamt finanziert wird, wo man als Lehrling € 100 im Monat bekommt und im Großen und Ganzen nichts macht. Nebenbei ging ich zur Berufsschule, wo die wirkliche Ausbildung stattfindet. Nach einem Jahr kam ich in eine kleine Medienagentur, wo ich lernte mit CMS umzugehen. Dort wurde mir nicht viel zugetraut, allerdings brachten mir meine Kollegen ein paar wichtige Dinge bei. Die Firma ging in Insolvenz, wir bekamen 6 Monate kein Gehalt bezahlt. Das kam dann alles auf einmal aus einem Insolvenzfond.

Ich wurde einem Freund von meinem Chef empfohlen und kam dort in eine weitere kleine Werbeagentur. Am Anfang war es für mich komisch, da weniger professionell gearbeitet wurde und es ein wenig chaotisch war. Andererseits wurde mir weit mehr zugetraut und so durfte ich Newsletter erstellen & verschicken, ganze Websites designen und auch programmieren. Das hat mein Selbstbewusstsein sehr gestärkt, denke ich. Das Schlimmste für mich an dem Job war allerdings der Kund_innenkontakt. Ich telefoniere schon ungern mit Freund_innen, aber mit Kund_innen war es einfach nur unangenehm. Ich habe immer Angst mich zu verplappern beim Abheben (nicht unbegründet) oder die andere Person nicht zu verstehen. Es gäbe einiges mehr zu der Agentur und dem Job zu erzählen, im Großen und Ganzen habe ich sehr gern dort gearbeitet und ich vermisse es.

Nach dem Umzug fiel ich in ein tiefes Loch. Morgens, als ich zur Arbeit gehen wollte, fing ich an zu weinen und konnte mich nicht aus dem Haus bewegen. Ich dachte, das wäre nach ein paar Tagen vorbei und ließ mich krank schreiben. Ich war 6 Monate krank geschrieben, es war ein ziemliches Hin und Her. Ich versuchte zwischendurch wieder zu arbeiten, aber es ging nicht, ich hatte Panikattacken. Danach wurde ich (verständlicherweise) gekündigt. Das war Ende 2013 – seitdem bin ich immer wieder beim Arbeitsamt oder krank geschrieben. Ich bin darauf schon mehrmals auf meinem anderen Blog eingegangen, deswegen lasse ich das hier jetzt aus.

Mein Plan für 2016 ist es ein spezielles Arbeitstraining zu machen, das extra für psychisch Kranke gemacht ist. Man wird bei allem unterstützt und ich möchte gern in den Sozialbereich. Am liebsten wäre es mir mit psychisch Kranken zu arbeiten, weil ich mich da am besten hineinversetzen kann. Viele sagen, sie könnten das nicht, weil sie das zu sehr belastet, aber ich kann das gut von mir fernhalten und differenzieren. Ich glaube, dass ich das ganz gut könnte und will das jetzt schon ziemlich lang. Auf keinen Fall will ich wieder in einen Bürojob, das macht mich nur müde und deprimiert mich zu sehr. Es war schön so lange zu Hause zu sein und ich könnte es wohl auch weiterhin, aber mir fehlt das Arbeiten und mir fehlt das regelmäßige Rausgehen, auch wenn es mir nach wie vor sehr schwer fällt.

Das Kreativsein hat mich allerdings nie los gelassen. Vielleicht habe ich deswegen den Blog erstellt. Um mich irgendwo kreativ auszuleben. Auch das Fotografieren macht mir wieder mehr Spaß. Ich werde meinen gelernten Beruf nie aufhören zu lieben, aber ich werde ihn vermutlich nie wieder so ausüben. Und das ist okay. Meine Interessen und Talente haben sich einfach verlagert.

So, das war’s von mir zum Buchstaben A. Der nächste Buchstabe kommt dann nächste Woche, mein Beitrag dazu aber wahrscheinlich wieder etwas später. :)

3 Gedanken zu “[Blogger_innenalphabet] A wie Arbeit/Ausbildung

  1. Frau Llama schreibt:

    Zum ersten find ich toll, wie offen du mit deinen psychischen Problemen umgehst und das auch im Arbeitsumfeld ein Thema ist, das du ansprichst. Ich bin gerade auf der Suche nach einem Therapieplatz und tu mir unheimlich schwer damit, das im Büro zu erzählen, um zukünftige Fehlzeiten zu verargumentieren [Vollzeitjob und Therapiezeiten passen einfach nicht zusammen…].

    Zum zweiten find ich toll, dass du gerade wegen deiner eigenen Krankheit einen sozialen Beruf ergreifen willst. Ich hab immer wieder den Eindruck, dass zu viele Neurotypische mit psychisch Kranken zusammenarbeiten und deswegen eine gewisse Empathie fehlt, sich in die Krankheit und deren Auswirkungen hineinzuversetzen. Mein Gatte hat zB mal von einem Therapeuten gesagt bekommen, er solle mehr Schlagermusik hören, um nicht so depressiv zu sein. Ähm, ja… Da verliert man so ein bisschen den Glauben an die Menschheit.
    Deswegen find ich es so gut, dass du eine vermeintliche Schwäche [die Krankheit] in eine Stärke verwandelst und mit deiner außerordentlichen Empathie anderen Menschen helfen willst und kannst. Ich drück dir die Daumen für deine Zukunft!

    Die Telefonieangst kenne ich übrigens auch, selbst nach 5 Jahren in einem Bürojob, bei dem täglich das Telefon klingelt… Am Anfang meiner Ausbildung habe ich den Fehler gemacht und meiner Bürochefin gestanden, das ich ungern telefoniere- was sie zum Anlass genommen hat, mich ab da wesentlich öfter als andere Azubis an die Telefonzentrale zu setzen. Inzwischen kann ich zwar professionell telefonieren und bringe Telefonate hinter mich, ohne danach schweißgebadet zu sein, aber ich hasse es nach wie vor. Privat zu telefonieren fällt mir immer noch schwer und ich vermeide es, so gut es geht. Ich hab irgendwann gelernt, mit der Angst zu leben, aber ich kann gut nachvollziehen, dass das ein k.o.-Kriterium bei der Jobwahl ist.

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    • Danke für deinen wunderbaren Kommentar! <3
      Es gab eine Zeit, da war es für mich nicht so einfach so offen über meine Krankheit zu reden. Ich habe aber gemerkt wie sehr es mir selbst hilft zu sehen wie andere mit sowas umgehen. Und ich finde auch, dass es nichts ist, das man verstecken muss, auch wenn ich verstehe, dass das manche machen.
      Das mit den Neurotypischen in sozialen Berufen durfte ich auch am eigenen Leibe erleben, daher weiß ich wie wichtig es ist, dass man sich in Personen hineinversetzen kann, denen man helfen will. Viele haben auch keine Ahnung von Diskriminierungen, obwohl bei uns z.B. arg damit geworben wird, dass psychische Krankheiten genau wie physische Krankheiten sind. Ich fühl' mich bei Krankenkassa und Co. trotzdem oft nicht ernst genommen, fühle mich teilweise wie eine Verbrecherin. :|
      Ja, das mit der Telefonangst war bei mir genauso. Die Chef_innen meinen es zwar gut, aber es ist einfach so unglaublich unangenehm, wenn man nach so einem schweren Geständnis sogar noch öfter in dem Gebiet eingesetzt wird. Ugh. -.- Gut, dass du das gemeistert hast! :)
      Nochmal lieben Dank für deinen Kommentar, ich hab' mich sehr gefreut!

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  2. Interessante Geschichte hast du da. Und ich kann mich nur anschließen, toll das du öffentlich darüber reden kannst.
    Ich drücke dir dir Daumen, dass du beruflich das machen kannst, was du möchtest. Es ist immer von Vorteil, wenn die, die über etwas reden auch wissen, wovon sie reden ;-)

    LG Angelika

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