Körperpflege bei Depressionen

Wer Depressionen hat, kennt das Problem vermutlich: man vernachlässigt seine Körperpflege. Zähne putzen, duschen gehen, Gesicht eincremen – alles fühlt sich an, als würde man einen Berg erklimmen müssen.

Seit ich nicht mehr arbeite, kenne ich das auch. Das liegt daran, dass ich morgens nicht mehr aufstehen MUSS, außer ich habe einen Arzttermin oder ähnliches. Die fehlende Pflegeroutine macht sich aber in den wenigsten Bereichen wirklich bemerkbar. Zum Beispiel ist es kein Problem, wenn man allein oder mit einem geliebten Menschen wohnt und man es zwei Tage nicht schafft duschen zu gehen. Oder wenn man schon drei Tage lang mit fettigen Haaren ‚rumläuft. Das ist alles kein großes Problem, außer vielleicht man hat eine sehr empfindliche Haut oder ähnliches. Bei mir war das nie eine große Sache.

Was sich allerdings sehr wohl bemerkbar macht ist u.a. fehlende Zahnpflege. Dazu muss man natürlich erwähnen, dass es auf die Person ankommt. Ich kenne einen Menschen, der sich nur einmal am Tag die Zähne putzt und der hat perfekte Zähne. Umgekehrt kann es genauso gut sein, dass man sich zweimal oder öfter am Tag der Zahnpflege widmet und trotzdem schlechte Zähne hat. Was „schlechte Zähne“ sind kommt natürlich auch auf die eigene Definition an. Ist es wichtig, dass die Zähne weiß sind? Oder total gerade? Oder reicht es, wenn sie einfach gesund sind und man keine Löcher hat? Mir persönlich wäre letzteres ja am wichtigsten.

Ich hatte immer schon Probleme mit meinen Zähnen. Ich habe fast alles Schlechte von meinen Eltern geerbt: Augen, Zähne, Haut, Füße, Rücken. Als Kind mussten mir alle Eckzähne gezogen werden und ich war ständig beim Zahnarzt. Es war grauenhaft. Fürs Zähneputzen konnte ich mich auch nie sonderlich begeistern, aber als ich bei meiner Mutter wohnte und einen Job hatte, habe ich sie mir morgens immer unter der Dusche geputzt und das hat gereicht. Ich hatte zumindest keine Löcher und keine Schmerzen. Weiß oder supergerade waren sie halt nicht. Seitdem ich arbeitslos bin, weil ich Depressionen habe, vernachlässige ich meine Zahnhygiene massiv. Es gab immer wieder Wochen wo ich die Zahnbürste nicht einmal angeschaut habe.

Ich versuchte das mit mehreren Tricks in den Griff zu bekommen, u.a. ein frisch gewaschenes Glas hinzustellen damit ich nicht mit meinen Händen bei laufendem Wasser spülen muss. Ich habe auch verschiedene Zahnpasten ausprobiert, hier möchte ich vor allem das Ringana Zahnöl besonders hervorheben, das mir eine Freundin zum Geburtstag schenkte. Zum Glück, denn selbst gekauft hätte ich es für fast € 12 sicher nicht. Der Vorteil (für mich) an dem Zahnöl ist, dass es nicht schäumt und nach einmal Ausspülen kein Geschmack mehr im Mund ist. Außerdem ist es Naturkosmetik, also muss man es schnell (angeblich innerhalb von 10 Wochen, was nahezu unmöglich ist, wenn man nicht grad eine Großfamilie hat) aufbrauchen, also war ich eine Zeit lang „gezwungen“ Zähne zu putzen. Das alles hat mir aber nicht so recht geholfen regelmäßig Zähne zu putzen.

Und das macht sich jetzt natürlich bemerkbar. Nach meinem Breakdown vor ein paar Wochen, ging es mir noch zwei Wochen ziemlich schlecht. Dann habe ich aber etwas geschafft, was ich mir nicht zugetraut hatte und schwupps, war ich topmotiviert. Außerdem hat es mir sehr geholfen andere Blogs zu lesen. Vor ca. zwei Wochen habe ich mir dann angewöhnt direkt nach dem Aufstehen ins Bad zu gehen und einfach zu machen. Wer Depressionen hat oder hatte weiß wie unglaublich schwer das sein kann.

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Zähne putzen, Mundspülung benutzen, Gesicht säubern, Gesicht waschen, Gesicht peelen, Gesicht eincremen. Diese Dinge mache ich seither jeden Morgen und jeden Abend. Je nachdem was ich an einem Tag vorhabe, gehe ich auch noch duschen, schminke mich, mache meine Haare, etc. Aber diese paar Dinge mache ich jeden Morgen und jeden Abend, unabhängig davon ob ich vorhabe aus dem Haus zu gehen oder nicht. Zusätzlich creme ich meinen Körper nach dem Duschen mit Körperlotion ein, vor allem nach dem Rasieren. Für die Zahnpflege verwende ich momentan die apeiron Zahncreme (vegan), die ‚mal in der Vegan Box drin war. Und dazu die Pink Grapefruit Mundspülung (vegan) von dontodent.

Zahnpflege: apeiron Zahncreme & meine Zahnbürsten

Und dann fingen die Zahnschmerzen an. Ich hatte immer wieder in den letzten Jahren leichte Zahnschmerzen, die hörten aber nach einem Tag normalerweise auf. Nun sind die Schmerzen seit diesen zwei Wochen durchgehend und stark da und ich muss das ausbaden was ich meinem Körper angetan habe. Anfangs konnte ich nur kalte Getränke nicht trinken, mittlerweile kann ich gar nichts mehr trinken ohne dass sich die Schmerzen verstärken. Heißes Abendessen wird zur Qual, Eis essen fast unmöglich. Zu meinen Antidepressiva schlucke ich jetzt schon zusätzlich eine Schmerztablette, damit die Schmerzen wenigstens etwas unterdrückt werden.

Was mache ich nun, um das in den Griff zu bekommen? Logisch, ich gehe nächste Woche zum Zahnarzt. Ich habe wahnsinnige Angst, weil meine früheren Zahnarztbesuche so traumatisierend waren, aber da muss ich jetzt leider durch. Ich habe mich lange davor gedrückt, weil ich auch nicht wusste was die Krankenkasse übernimmt und was nicht, aber das werde ich dann einfach vor Ort herausfinden. Wirklich inspiriert wurde ich eigentlich auch von einem Freund, der sich seine sehr kaputten Zähne hat richten lassen. Das Ergebnis ist so unglaublich, da dachte ich nur „schöne Zähne, das kann ich auch haben!“

Wie werde ich nach dem Zahnarzt weiter machen? Natürlich werde ich mir die Zähne dann regelmäßig putzen oder es zumindest versuchen. Denn ich weiß nicht wann die nächste Tiefphase bei mir kommt und wie sich diese zeigt. Dazu muss ich für mich auch die perfekte Zahnpasta finden, damit das Zähneputzen an sich nicht so nervig ist. Außerdem werde ich versuchen auf zuckerhaltige Getränke zu verzichten und eventuell auch die Süßigkeiten verringern. Ich merke momentan sehr stark, dass genau das meine Zahnschmerzen verschlimmert… aber ich bin ja so ein Naschfuchs. :(

Hilfreich für mich war vor allem auch herauszufinden, dass ich nicht allein bin. Viele Leute schreiben darüber, dass sie die tägliche Körperpflege nicht schaffen. Dass sie tagelang nicht Zähne putzen. Dass ihre Wohnung im Chaos versinkt. Ich fühlte mich jahrelang so alleine und eklig. Es war so dermaßen befreiend zu wissen, dass noch mehr Leute diese Dinge nicht schaffen. Und man sich deswegen nicht schämen muss. Ich kann auch keine Tipps geben wie man das in den Griff kriegt, denn ich glaube, da muss man selber einen Weg finden. So wie es mir beispielsweise hilft das Zähneputzen weniger nervig (& schäumig) zu gestalten. Manchen hilft es vielleicht eine Hygiene To Do List anzulegen, wo man jeden Tag Dinge abhaken kann.

Abschließend kann ich sagen: Ich habe meinen allgemeinen und emotionalen Zustand verbessert, indem ich diese Kleinigkeiten in meinen Alltag eingebaut habe. Aber das, was mir hilft, hilft nicht allen. Und das ist okay. Ich danke hiermit auch allen, die das vor mir ausgesprochen haben. Ihr habt mir dabei geholfen zu dem Problem zu stehen und mich nicht mehr so zu schämen.

Kennt ihr diese Schwierigkeit auch? Was hilft euch dabei die Hürde zur Pflege zu überwinden?

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2 Gedanken zu “Körperpflege bei Depressionen

  1. Danke für Deinen Post, redet man ja nich unbedingt so gerne drüber. Ich habe gemerkt, dass eine tägliche Routine, in guten Zeiten eingeübt, hilft. Nicht nur, um in schlechten Zeiten besser klar zu kommen, sondern auch um stabil zu bleiben. Es zeigt ja, dass man sich um sich kümmert, es wert ist. Pflege ist einfach eine gute Möglichkeit sich selbst etwas Liebe zu gönnen.

    Ich wünsche Dir viel Kraft für Deinen Zahnarzttermin, und dass er netter wird, als Du erwartest.

    <3

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    • Es ist voll wichtig darüber zu reden. Ich bekomme viel Feedback im Sinne von „so geht es mir auch“. :) Das tut mir gut und anderen Betroffenen, glaube ich, auch.
      „in guten Zeiten eingeübt“ – ja, das ist der springende Punkt, denke ich. Man muss die guten Zeiten für sich nutzen. Genauso wie ich in letzter Zeit oft den Tipp gelesen habe Blogposts zu schreiben, wenn man grad einen Lauf hat, um sie posten zu können, wenn man grad eine Schreibblockade hat. Das ist dasselbe Prinzip. Es gehört halt viel Energie dazu, um das endlich ‚mal anzufangen. Aber ist man erst drin, geht es künftig von alleine. Oder zumindest wesentlich einfacher.
      Außerdem ist man dann schon gepflegt und „ready to go“, falls sich jemand meldet und sich mit einer_m treffen möchte. ;)

      Danke vielmals, die Kraft werde ich brauchen! ^^

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